Ich will nicht anders sein

Das sagt eigentlich schon alles aus.

Ja ich bin anders und nein ich habe es mir nicht ausgesucht!

Seit meiner Geburt habe ich eine recht schweren Herzfehler, aufgrunddessen habe ich die ersten sechs Monte im Krankenhaus verbracht und wurde auch operiert. Es stand wohl zeitweise sehr schlecht um mich. Ich hätte fast ein Bein nach einem Herzkatheter verloren und wohl einige andere Komplikationen traten auf. Zum Glück weiß ich davon nichts, da ich zu klein war.

Allerdings kann ich mich daran erinnern, dass ich mit 4 Jahren im Krankenhaus lag und ziemlich große, dicke, durchsichtige Schläuche aus meinem Bauch ragten von einer 2. großen Herzoperation. Danach weiß ich nichts mehr.

Meine Mutter erzhälte, dass ich lange nicht in die Kita durfte und damit fing das „anders sein“ so richtig an. Ich bekam Marcumar und Ende der 80ziger war die Einstellung noch nicht so gut wie heutzutage, so dass sich niemand gegen mich wehren durfte. Dies nutzte ich meinem Cousin gegenüber aus und ärgerte ihn wohl ziemlich heftig. Das habe ich später alles zurückbekommen.

Wie schon erwähnt durfte ich nicht in die Kita und habe somit auch keine Freunde in meinem Alter gehabt oder gelernt wie man mit Gleichaltrigen umgeht. Sozialkontakte gab es durch die Krankheit für mich zu diesem Zeitpunkt so gut wie keine. Zu Hause wurde ich nach Strich und Faden verwöhnt von meinen Großeltern (bei denen ich lange wohnte, da meine Mutter arbeiten musste). Sie legten für mich ein Sparbuch an (ich war die einzige, die eins bekam). Ich war ihr Lieblingsenkel.

Irgendwann durfte ich wieder in die Kita, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Dann kam ich in die Schule und das Drama ging für mich weiter. Ich durfte anfangs nur bedingt Schulsport mitmachen, bis ich nach einer Sportstunde immer noch mit blauen Lippen nach Hause kam. Es erfolgte der Gang zum Kinderarzt und die Sportbefreiung (in der Grundschule). Die Klassenkameraden fanden das natürlich nicht so toll und fingen an mich auszuschließen bei Spielen auf dem Schulhof. Ich stand also meistens rum und sah zu. Irgendwann hat man mich mal mitspielen lassen beim Seilspringen, aber auch eher zähneknirschend. Das ging ein paar Tage gut und dann war wieder Schluss und ich war wieder Außenseiterin. Ich ging nur gerne zur Schule, weil ich gerne lernte und gut darin war. Ja ich war in der Grundschule eine Streberin ohne viel Arbeit.

Nachdem ich die Grundschule überstanden hatte mit sehr guten Noten ging es weiter in die Orientierungsstufe. Es kamen ein paar neue Schüler dazu und ich habe mich mit einem Mädchen „angefreundet“. Wir haben uns oft nachmittags getroffen, aber so richtig befreundet waren wir auch nicht. Niemand hielt es lange mit mir aus. Schulsport durfte ich weiterhin nicht machen und ein Streber war ich auch noch, so dass ich die Empfehlung für das Gymnasium bekam. Die Mitschüler hatten sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ich vom Sport befreit war.

Nach der 6. Klasse wurde ich auf Kur zum Abnehmen geschickt, da ich wohl ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hatte. Dort habe ich ein Mädchen kennengelernt und sie war meine 1. wirkliche Freundin, denn die Freundschaft hielt einige Jahre (wir kamen aus verschiedenen Städten). Nach den Ferien ging es also in die 7.Klasse des Gymnasiums. Ich ging in die Lateinklasse, da ich gerne mal Medizin studieren wollte und wusste, dass man das dafür braucht. Die Sportbefreiung wurde aufgehoben und ich nahm ein paar Mal am Schulsport teil. Allerdings war dies nicht lange der Fall und ich wurde wieder befreit. Da die Sportstunden so vielen, dass ich später zur Schule kommen durfte oder früher gehen konnte, war ich natürlich gleich wieder unbeliebt bei den Mitschülern. Zu allem Überfluss lag der Klassenraum auch noch im 3.OG und ich kam jedesmal ziemlich fertig oben an. Das bleib den anderen nicht verborgen. Einer der Mitschüler fing an mich zu hänseln und sagte immer wieder: „Herzfehler,Herzfehler!“. Das verletzte mich so sehr, dass ich nicht in den Unterricht wollte und ich heulend vor der Klasse saß. Der Klassenlehrer stellte ihn vor der Klasse zur Rede und er redete danach nur noch hinter meinem Rücken weiter.

Aufgrund des Herzfehlers muss ich mindestens 1x jährlich zu einer Untersuchung ins Krankenhaus. Also war ich wieder etwas besonderes, weil ich ja entschuldigt fehlen durfte (quasi mit Ankündigung). Natürlich ging das Theater um meine Krankheit und das Gehänsel nicht spurlos an mir vorbei, so dass meine schulischen Leistungen stark abfielen und ich eine Klasse wiederholen musste und danach sogar auf Realschule ging.

Ich war froh als ich die 10.Klasse beendet hatte. Es war eines der schlimmsten Jahre für mich in der Schule.

Nach der Schule began ich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, brach diese nach einem Jahr ab durch eine pasychische Erkrankung. Weiter ging es mit diversen Praktika bis ich endlich zum Kochen kam. Ich fand auch eine Ausbildungstelle zur Köchin, aber in der 1. wurde ich in der Probezeit geschmissen. Man unterstellte mir, dass ich verschwiegen hätte krank zu sein. Also kam ich in den 2. Betrieb, da war es so lala bis der Chef meinte mich zu zwingen einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Schließlich landete ich im 3. Betrieb und konnte dort meine Ausbildung fertig machen. Selbst die Schule machte größtenteils Spaß und ich lernte Leute kennen, die mich nicht wegen meiner Krankheit verurteilten.

Als die 3 Jahre Ausblidung rum waren, drückte ich die Schulbank und holte mein Abi nach. Wieder holte mich die Krankheit ein, aber nicht so schlimm wie in der Jugend, denn wir waren ja jetzt alle „Erwachsen“. Ein Kollege aus der Kochausbildung drückte mit mir die Schulbank und ich habe mit einem anderen noch Freundschaft geschlossen (letztere besteht nicht mehr). Diese 3 Jahren waren zum Großteil doch recht erträglich und nach dem Abi sollte es mit einem Studium in Wien weitergehen. Dort war ich nur 1 Semester und habe 2 tolle Menschen kennengelernt mit denen ich noch Kontakt habe (leider nur per WA und Email).

Tja nun gelange ich zum Biologiestudium in Braunschweig. Die Mitstudenten sind alle knapp 10 Jahre jünger gewesen als ich, so dass der Altersunterschied enorm ist und ich dort keinen Anschluss fand. Ich war eher so „die Mutti“, die alle nötigen Infos hatte oder wusste wo man sie fand. Gehänselt wurde ich nicht offensichtlich, aber hinter meinem Rücken wurde arg getuschelt und gelästert. Ich hatte die Schnauze voll vom Studium und den Leuten und der Umgebung und von allem dort. Ich bewarb mich für ein Medizinstudium.

Die zusage kam und ich zog um. Nun sitze ich hier und bin wieder alleine. Meine Mitstudenten sind altersmäßig bunt gemischt, aber irgendwie bekomme ich keine rechten Draht zu ihnen. Anfangs hatte ich eine Gruppe wo ich „zu gehörte“, aber seit letzter Woche ist dies auch vorbei. Der eine Mitstudent meinte in einem Gespräch, dass ich Wehen vortäuschen sollte. Ich sagte darauf nur: Na danke! Ich red dann nicht mehr mit dir. Seine Antwort war, dass er dann ja jetzt ein Problem weniger hätte.

Es sollte bestimmt nicht böse gemeint sein, aber so kam es definitiv nicht rüber. Seit diesem Gespräch distanziere ich mich auch immer weiter von der Gruppe. Heute hat er mich nochmal darin bestätigt warum ich das tue. Es regnete stark heut früh, so dass ich mit dem Bus fuhr statt dem Rad und er meinte dann zu einer Mitstudentin, dass ich was besonderes wäre, da ich ja nen Schwerbehindertenausweis hätte und eine Wertmarke um Bus zu fahren. Sein Ton dabei war eher so in die Richtung abfällig. Jedenfalls nicht mehr neutral.

Ja und so verfolgt mich weiterhin das „anders sein“ und wird es wohl ewig tun *schnief*

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