Oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung

So heißt die psychische Krankheit eigentlich richtig.

Die meisten verbinden „Borderline“ mit Selbstverletzungen, aber diese Krankheit ist weitaus mehr als das.  Weitere Anzeichen können starke Stimmungsschwankungen sein, Drogen- & Alkoholmissbrauch, aggresives Autofahren usw. die Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte einfach mal googlen 😉

Wann entwickelt sich diese Krankheit? Das ist eine gute Frage. Allgemein kann man erstmal sagen, dass sie sich im Kleinkindalter entwickeln kann, also zwischen 3-6 jahre, wenn sich anfängt die Persönlichkeit zu bilden. Bei vielen Patienten gibt es konkrete Auslöser wie sexuellen Missbrauch oder körperliche Gewalt, aber das ist nicht bei jedem so.

Ich habe 12 Jahre Therapie gemacht. 10 Jahre davon eine DBT, eine spezielle Therapieform für „Borderliner“ und ich weiß immer noch nicht warum ich erkrankt bin. Bei mir waren es wohl viele Kleinigkeiten, die dies verursacht haben. Es war zum Beispiel, dass meine Mutter arbeiten musste und ich bei meinen Großeltern gelebt habe (bis ich in die Schule kam), dass man mir nicht vermittelt hat für mich da zu sein, dass man mich wie ein rohes Ei behandelt hat aufgrund des Herzfehlers, dass ich nicht gelernt habe wie man ordentliche soziale Kontakte knüpft usw.

Zur Diagnostik bin ich im Alter von 17 Jahren in die Psychiatrie gegangen. Ich habe mich selbstständig eingewiesen, denn so wie es war, ging es nicht weiter. Zu dieser Zeit hatte ich einen festen Freund, dieser hat mich belogen und betrogen (aber das an einer anderen Stelle). Ich weiß nicht warum, aber ich blieb bei ihm und so nahm das ganze schließlich seinen Lauf. Ich begann mich selbstzuverletzen, tagtäglich über 1 Jahr. Natürlich hatte ich früher schon Züge von dieser Krankheit, aber da hat sich niemand drum geschert. In der Grundschule donnerte ich meinen Kopf gegen Betonwände in einem ziemlich großen Abstand (schätzungsweise 10-20cm) und ich habe auch problemlos ein Mehrfamilienhaus zusammengeschrien, habe gegen meine Möbel getreten (zum Glück waren es Echtholzmöbel, danke Mama).

Nach der Diagnose stand fest, dass ich zu Hause ausziehen muss, damit es mir besser geht. Das hat dann knapp 1 Jahr gedauert, da ich nicht in ein betreutes Wohnen wollte, sondern eine eigene Wohnung haben wollte. In dieser Zeit war ich bei einem Psychologen, der keine Ahnung von „Borderline“ hatte und er hat mich nur über Wasser gehalten, aber das war gut und richtig.

Ich hatte in dieser Zeit auch einige Selbstmordversuche, so wie die Angst vor Rasierklingen verloren um mich selbstzuverletzen. Ich weiß nicht mehr wie ich an meinen Psychologen gekommen, aber ich hatte verdammtes Glück auch was die kurze Wartezeit betraf, denn er war und ist der einzige im Umkreis von 50km gewesen, der „Borderliner“ therapiert.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich bei ihm sein durfte. Er hat mich 10 Jahre begleitet Mir durch Höhen und Tiefen geholfen, obwohl ich 2x den Vertrag gebrochen habe mit Suizidversuchen (eigentlich zieht das ein sofortiges Therapieende nach sich). Ja ich hatte mehr Glück als Verstand und ja auch ich verheimliche nicht, dass ich krank bin. Ich will nicht wie ein rohes Ei behandelt werden. Ich hätte nur manchmal gerne etwas Verständnis, wenn meine Gefühle Achterbahn fahren, d.h. nicht, dass die Leute meine Gefühlsschwankungen grundsätzlich wortlos hinnehmen sollen. Manchmal brauche ich etwas länger um zu merken, dass ich etwas falsch gemacht habe oder auch um mich wieder zu beruhigen, wenn mich etwas verärgert hat, aber im Grunde stehe ich dann auch dafür gerade. Voraussetzung ist natürlich, dass man mir hilft, in dem man mir auch mal sagt, dass ich etwas falsch gemacht habe (ich kann nicht hellsehen) und mir auch verzeiht, auch mal öfter für die gleiche Sache, denn aus Fehlern kann man lernen. Nur ist dies ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen.

Es gibt Tage da verfluche ich diese Krankheit, denn sie hat mir schon vieles verbaut und dann gibt es Tage, wo ich gelernt habe mit ihr zu leben und nicht mein Leben von ihr bestimmen zu lassen. Es werden stetig mehr, aber es wird noch lange dauern.

Aber im Vergleich zu vor 15 Jahren, habe ich schon sehr viel gelernt und bin auch stolz auf mich *lächel* Es war ein harter WEg bis hierher und er ist noch nicht zu Ende, aber ich freue mich trotzdem auf ihn.

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